Kalenderblatt
19. Mai

Frühling an der Donau

Das Kalenderblatt zum 19. Mai
“Frühling an der Donau”
“Spring at the banks of the Danube”
“Primavera al orilla  del Danubio”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Frühling an der Donau“ begann in jenem Jahr ungewöhnlich still. Die Menschen im kleinen Dorf am Fluss bemerkten zuerst nur die Farben. Das Wasser der Donau schimmerte plötzlich nicht mehr grau und schwer wie im Winter, sondern leuchtete in tiefem Grünblau, als hätte jemand flüssiges Licht unter die Oberfläche gemischt. Über den Wiesen lag ein violetter Himmel, und an den Ufern erhoben sich seltsame Formen aus Nebel, Zweigen und alten Erinnerungen. Manche sagten, es seien nur Bäume im Morgenlicht. Andere behaupteten, dort stünden die Wächter des Frühlings, die nur alle hundert Jahre sichtbar würden.

Der alte Fährmann Jakob war der Einzige, der keine Angst vor ihnen hatte. Jeden Morgen ruderte er schweigend über den Fluss, während die ersten Nebelschleier wie tanzende Gestalten über dem Wasser schwebten. An einem besonders stillen Morgen entdeckte er mitten auf einer kleinen Sandbank ein Mädchen in einem gelben Mantel. Sie saß dort reglos zwischen den ersten Frühlingsblumen und blickte auf die geheimnisvollen Silhouetten am anderen Ufer.

„Worauf wartest du?“, fragte Jakob, als er näherkam.

Das Mädchen antwortete leise: „Auf den Moment, in dem die Landschaft wieder zu sprechen beginnt.“

Jakob verstand zunächst nicht, was sie meinte. Doch dann hörte er es selbst. Ganz tief unter dem Wind, unter dem Plätschern der Donau und unter dem Ruf der Vögel lag ein kaum hörbares Summen. Es war, als würde die Erde langsam erwachen und ihre vergessenen Geschichten wieder freigeben. Die bizarren Formen am Horizont begannen sich im Morgenlicht zu bewegen. Nicht bedrohlich, sondern langsam und feierlich, wie uralte Wesen, die nach einem langen Schlaf ihre Glieder strecken.

Das Mädchen erzählte ihm, dass der Fluss jede Erinnerung bewahre: die Freude der Liebenden, die Schritte der Flüchtenden, die Träume der Kinder und die Hoffnung der Alten. Doch im Winter würden diese Erinnerungen erstarren. Erst der Frühling könne sie wieder befreien. Deshalb leuchte die Landschaft in solchen Farben, weil die Donau beginne, sich an das Leben zu erinnern.

Gemeinsam saßen sie schweigend am Ufer. Die Luft roch nach nasser Erde und Neubeginn. Über den grünen Feldern flimmerte das Licht wie ein unsichtbarer Atem. Und plötzlich erkannte Jakob, dass die seltsamen Gestalten am Horizont keine Wächter waren, sondern versteinerte Sehnsüchte der Menschen, die mit dem ersten Frühling wieder weich wurden.

Als die Sonne höher stieg, verschwanden die Formen langsam im Licht. Das Mädchen stand auf, lächelte und ging am Ufer entlang davon, bis sie zwischen Himmel und Wasser nicht mehr zu erkennen war. Jakob aber blieb zurück und wusste, dass er etwas erlebt hatte, das nur wenigen Menschen vergönnt ist: den Augenblick, in dem die Welt für einen kurzen Moment ihre verborgene Seele zeigt.

Seit diesem Morgen nennt man dort die ersten warmen Tage des Jahres nicht einfach Frühling. Die Menschen sagen: „Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der die Donau träumt.“

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