
Kalenderblatt vom 10. April
“Lilith im Spannungsfeld”
“Lilith in the area of conflict”
“Lilith en la área conflictiva”
Acryl, Acrylpaste, Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm
In diesem Bild verdichtet sich eine Kraft, die sich nicht anbiedert, nicht erklärt, nicht gefällig ist, sondern besteht. „Lilith im Spannungsfeld“ ist keine Darstellung, sondern ein energetisches Statement. Schon die dominierende Gelbfläche wirkt wie ein vibrierendes Feld zwischen Bewusstsein und Überreizung, zwischen Erleuchtung und innerem Druck. Es ist kein sanftes Licht, sondern ein forderndes Leuchten, das den Betrachter nicht beruhigt, sondern wachrüttelt.
Die Komposition wirkt wie ein inneres Koordinatensystem: Das kleine rote Quadrat oben links setzt einen klaren, fast archaischen Impuls, Ursprung, Wille, Feuerkern. Ihm gegenüber steht die dunkle, kreisförmige Form, dicht, geschlossen, geheimnisvoll. Sie wirkt wie ein Verdichtungszentrum weiblicher Urkraft, wie Lilith selbst: nicht greifbar, nicht definierbar, aber unausweichlich präsent. Zwischen diesen beiden Polen spannt sich ein unsichtbares Feld, ein Spannungsraum, in dem sich Gegensätze nicht auflösen, sondern gegenseitig intensivieren.
Die vertikalen Strukturen im Bild erinnern an Säulen oder Durchgänge, fast wie Schwellen zwischen Welten. Sie sind nicht stabil im klassischen Sinne, sondern wirken durchlässig, fragmentiert, als würde hier etwas Altes bröckeln, während gleichzeitig etwas Neues Form annimmt. Die eingesetzten Materialien – Acrylpaste und Quarzsand – verstärken diesen Eindruck physischer Realität: Transformation ist hier nicht nur Idee, sondern Materie.
Besonders auffällig ist das Spiel von Kontrolle und Loslassen: Die klar gesetzten geometrischen Formen stehen im Kontrast zu den fließenden, fast eruptiven Farbverläufen. Es ist, als würde das Bild selbst zwischen Ordnung und Wildheit oszillieren, genau dort, wo Lilith wirkt: jenseits der Norm, jenseits der Anpassung, im radikalen Ausdruck des Eigenen.
Der untere Bereich mit seinen dunkleren, erdigen Strukturen erdet die Komposition. Hier liegt die Schwere, das Unausweichliche, vielleicht auch das Verdrängte. Doch darüber spannt sich das leuchtende Feld wie ein Bewusstseinsraum, der alles durchdringt. Das kleine, sandfarbene Quadrat wirkt dabei wie ein Anker im Hier und Jetzt, ein Fragment Realität inmitten eines hoch aufgeladenen inneren Geschehens.
Dieses Bild spricht nicht leise. Es fordert Konfrontation. Es lädt nicht zum Verweilen ein, sondern zum Erkennen. „Lilith im Spannungsfeld“ ist eine visuelle Manifestation jener Kräfte, die oft im Verborgenen wirken, roh, ungezähmt, kompromisslos. Und genau darin liegt seine Stärke: Es erinnert daran, dass wahre Transformation nicht harmonisch verläuft, sondern durch Reibung entsteht, durch das Aushalten von Gegensätzen, durch das mutige Stehen im eigenen Spannungsfeld.