Kalenderblatt
24. März

Schweres Wasser nahe Japan

Kalenderblatt vom 24. März
“Schweres Wasser nahe Japan”
“Heavy Water near Japan”
“Agua pesada acerca Japón”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es begann mit einem Flüstern, das keiner hören wollte.
Nicht laut, nicht bedrohlich, eher wie ein ferner Atem über dem Meer, ein kaum wahrnehmbares Zittern in der Weite zwischen Himmel und Wasser. Die Menschen nannten es später „das schwere Wasser“, doch an jenem Morgen war es einfach nur Stille.

Der Himmel lag in zarten, beinahe entrückten Blautönen über der Landschaft, als hätte jemand ihn mit Erinnerungen statt mit Farbe gemalt. Darin schwebten gelbe Fragmente wie verlorene Gedanken, ungreifbar, flüchtig als wären sie die letzten Reste eines Traums, der sich nicht mehr festhalten ließ. Niemand wusste, ob es Wolken waren oder Zeichen.

Darunter jedoch war die Welt eine andere.

Das Land war dunkel geworden.
Nicht nur in der Farbe, sondern in seinem Wesen. Es sog das Licht auf, verschluckte es fast gierig, als hätte es etwas erlebt, das sich nicht mehr rückgängig machen ließ. Und dort, wo einst Leben pulsierte, lag nun eine Schicht aus glühendem Rot, wie eine Erinnerung an Feuer, an Schmerz, an ein Ereignis, das sich in die Erde eingebrannt hatte.

Die Fischer, die noch hinausfuhren, sprachen nicht mehr viel.
Sie blickten auf das Wasser, das sich anders bewegte als früher, schwerer, dichter, als trüge es ein Geheimnis, das es nicht preisgeben wollte. Ihre Netze waren oft leer. Und wenn sie nicht leer waren, dann enthielten sie Dinge, die sie nicht verstanden.

„Das Meer erinnert sich“, sagte der Älteste im Dorf.
Und niemand widersprach ihm.

Eines Tages ging ein Kind an den Rand dieses Landes.
Es war nicht alt genug, um Angst zu kennen, und nicht alt genug, um die Geschichten vollständig zu begreifen. Es sah nur die Farben, das ruhige Blau, das zerbrechliche Gelb, das brennende Rot und das tiefe Schwarz. Für das Kind war es kein Ort der Katastrophe, sondern ein Ort der Fragen.

Es kniete sich nieder und legte die Hand auf die Erde.

Und für einen kurzen Moment – kaum länger als ein Herzschlag –hörte es das Flüstern wieder.

Nicht als Warnung.
Nicht als Drohung.

Sondern als Erinnerung daran, dass alles, was geschieht, Spuren hinterlässt, im Wasser, im Himmel, im Boden… und in uns.

Das schwere Wasser war nie nur im Meer.
Es war das Gewicht der Geschichten, die wir tragen.

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