Kalenderblatt
23. März

Tibetischer Morgengruß

Das Kalenderblatt zum 23. März
“Tibetischer Morgengruß”
“Tibetan Morning Salutation”
“Saludo tibetano mañanero”

Pastellkreide, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Im ersten Atemzug des Tages, noch bevor die Welt sich ihrer selbst bewusst wird, geschieht etwas, das nur jene wahrnehmen, die still genug geworden sind. Hoch oben, jenseits der gewöhnlichen Gedanken, beginnt ein leiser Ruf, kaum hörbar, doch durchdringend wie das erste Licht.

In einem abgelegenen Tal, verborgen zwischen uralten Bergen, erwacht ein alter Mönch. Sein Körper ist gebrechlich geworden, doch in seinem Inneren trägt er eine unerschütterliche Glut, die Zeit und Vergessen überdauert hat. Er tritt vor die Schwelle seiner kleinen Behausung, barfuß auf die kühle Erde, und hebt den Blick.

Der Himmel ist kein gewöhnlicher Himmel an diesem Morgen. Er glüht. Rot wie das pulsierende Herz der Erde, durchzogen von fließenden Schleiern aus Violett und Gold. Und dann, wie aus dem Nichts geboren, erscheint sie: eine kreisende, lebendige Sonne, nicht nur Licht, sondern Bewusstsein selbst, das sich in Farbe offenbart.

Der Mönch neigt den Kopf, nicht aus Gewohnheit, sondern aus tiefer Erinnerung. Denn dies ist kein neuer Anblick. Es ist ein uraltes Wiedersehen.

„Du bist zurückgekehrt“, flüstert er, doch seine Stimme ist kaum mehr als ein Gedanke.

Die Sonne antwortet nicht in Worten. Sie dehnt sich aus, pulsiert, atmet und mit ihr beginnt die Welt zu schwingen. Die Luft wird dichter, wärmer, durchdrungen von einer Kraft, die nicht nur wärmt, sondern erinnert. In diesem Moment weiß der Mönch: Dies ist der tibetische Morgengruß, ein Ritual ohne Hände, ohne Form, ein Dialog zwischen Seele und Ursprung.

Er schließt die Augen.

Und plötzlich ist er nicht mehr alt. Nicht mehr begrenzt. Sein Körper löst sich auf in reines Empfinden. Er ist das Rot, das sich über die Erde legt. Er ist das Gold, das aus der Mitte herausstrahlt. Er ist das Violett, das den Raum zwischen den Dingen hält.

Und dann geschieht es.

Ein leiser Riss geht durch die Stille, nicht zerstörend, sondern öffnend. Etwas in ihm, das lange geschlafen hat, beginnt sich zu erinnern: Er ist nicht hier, um zu suchen. Er ist hier, um zu empfangen.

Als er die Augen wieder öffnet, ist die Sonne noch da, doch sie verändert sich. Sie zieht sich zurück, nicht weil sie verschwindet, sondern weil sie sich in alles hinein verteilt. In die Luft, in die Erde, in sein Herz.

Der Tag beginnt.

Doch nichts ist mehr wie zuvor.

Denn der Mönch trägt nun den Morgengruß in sich, nicht als Bild, nicht als Erinnerung, sondern als lebendige Gegenwart. Und jeder Schritt, den er von nun an geht, ist ein stilles Echo dieses Moments.

Und irgendwo, weit entfernt und doch ganz nah, wartet die Sonne bereits auf den nächsten, der bereit ist, sie nicht nur zu sehen, sondern wirklich zu empfangen.

——————
Du kannst dieses Original kaufen:
Endpreis gemäß §19 UStG: 250.- Euro
Zahlung per PayPal oder Überweisung:
Gib im PayPal-Fenster bitte den Bildtitel an.
Versand innerhalb Deutschland kostenfrei 3–5 Tage
Widerrufsrecht 14 Tage (Details siehe Widerrufsbelehrung
——————
Teile diesen Beitrag