
Das Kalenderblatt zum 27. Februar
“Versteckspiel”
“Juego del escondite”
“Hide and seek”
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Schon im ersten Moment erzeugt „Versteckspiel“ eine Spannung, die nicht laut ist, sondern unerbittlich. Dieses kleine Format – gerade einmal 21 x 15 cm – trägt eine Bildenergie in sich, die größer wirkt als seine Maße. Es ist, als halte man ein verdichtetes Stück Innerlichkeit in der Hand.
Die untere Fläche lodert in einem intensiven Orange, roh, unmittelbar, fast körperlich. Darüber spannt sich ein gleißendes Gelb, das nicht einfach Himmel ist, sondern Atmosphäre, ein vibrierender Möglichkeitsraum. Die gezackte violette Linie dazwischen wirkt wie eine fragile Schwelle, eine Silhouette, ein Übergang zwischen zwei Bewusstseinszuständen. Nichts ist hier idyllisch. Alles steht unter Spannung.
Und dann dieser radikale Einschnitt: Rechts schiebt sich eine vertikale, dunkel strukturierte Zone ins Bild. Schwarz, durchzogen von Grau, aufgebrochen durch feine rötliche Spuren. Die Acrylpaste baut Relief, Widerstand, eine tastbare Verdichtung. Hier beginnt das Verborgene. Nicht als Leere, sondern als aufgeladener Raum. Als Speicher.
Das eigentliche „Versteckspiel“ findet zwischen diesen Polen statt. Links die expansive Farbfläche, offen, direkt, exponiert. Rechts die kompakte Tiefe. verschlossen, vielschichtig, geheimnisvoll. Die Komposition kennt keinen sanften Übergang; sie setzt auf Kontrast, auf klare Setzung. Genau darin entfaltet sich ihre Kraft. Zwei Zustände existieren nebeneinander, ohne Kompromiss, aber in Beziehung.
Das Werk spricht von dem Spannungsfeld zwischen Ausdruck und Schutz. Von der Entscheidung, sich zu zeigen und der ebenso legitimen Entscheidung, sich zu bewahren. Die dunkle Fläche ist kein Gegenpol im Sinne eines Gegners; sie ist ein Resonanzraum. Die feinen roten Linien darin wirken wie Spuren von Bewegung, wie Hinweise auf etwas, das nicht ausgelöscht, sondern lediglich zurückgenommen ist.
Das Aquarellbütten als Träger verstärkt diese Ambivalenz subtil. Trotz der pastosen Schichten bleibt eine Grundsensibilität spürbar. Das Papier nimmt auf, trägt, hält, ohne sich aufzudrängen. Materielle Präsenz trifft auf leise Fragilität.
„Versteckspiel“ ist damit kein dekoratives Farbexperiment, sondern eine präzise gesetzte Bildaussage. Es konfrontiert uns mit einer existenziellen Frage: Was zeigen wir der Welt, und was bewahren wir als inneren Kern? In dieser stillen, aber kompromisslosen Gegenüberstellung liegt seine eigentliche Sogkraft.