Kalenderblatt
25. September

Das ist alles, was man wissen muss

Kalenderblatt vom 25. September
“Das ist alles, was man wissen muss”
“That’s all what you need to know”
“Esto es todo que necesita saber”

Tusche, Acrylpaste auf Aquarellpapier ca. 15 x 21 cm

Das Bild  entfaltet auf den ersten Blick eine fast kindliche Einfachheit, und doch liegt in dieser Reduktion eine erstaunliche Tiefe. Die klaren Grundformen – Kreis, Quadrat, Dreieck, Linien – wirken wie universelle Archetypen, die an den Ursprung des Seins erinnern. Sie könnten das Fundament allen Wissens symbolisieren: Einheit, Ordnung, Bewegung, Transformation. Der goldene Schwung wiederum bricht die Strenge dieser Geometrien auf und bringt Leben, Energie und etwas Unberechenbares hinein, wie der Atem des Geistes, der den toten Formen Bedeutung verleiht.

Die Stimmung, die das Werk erzeugt, ist ruhig und kontemplativ, doch keineswegs leblos. Es liegt eine stille Spannung darin, als wäre die Leinwand ein Ort, an dem sich Anfang und Vollendung, Form und Freiheit, Geist und Materie begegnen. Damit passt die Atmosphäre hervorragend zur vermuteten Intention: eine Einladung, im Einfachen das Wesentliche zu erkennen.

Die Deutungsebenen sind vielfältig. Emotional weckt das Bild ein Gefühl von Klarheit, Leichtigkeit und vielleicht sogar Geborgenheit im Bekannten. Spirituell lässt es sich als Darstellung der kosmischen Ordnung lesen, die ewigen Formen, durch die alles entsteht. Sozial könnte es den Wunsch nach Reduktion in einer überkomplexen Welt ausdrücken, nach einem Zurück zu den Grundlagen, die uns verbinden. Politisch mag man es als leise Kritik an Überfluss und Verwirrung verstehen,  hier spricht das Werk: “Weniger ist mehr. Die Wahrheit ist einfach.“

Doch das Bild bleibt nicht bei Antworten stehen, es stellt Fragen an den Betrachter. Was bedeutet für dich das Wesentliche? Wo findest du Klarheit im Chaos? Welche Form ist dein innerer Anker, welcher Weg dein goldener Funken? Und vielleicht die tiefste aller Fragen: Brauchen wir wirklich mehr Wissen, oder nur das eine, das uns ganz macht?

In seiner Erscheinung wirkt das Werk zugleich vertraut und originell. Vertraut, weil die Formen universell und jedem Menschen bekannt sind; originell, weil sie hier in einer fast kindlichen, unprätentiösen Komposition zusammengeführt werden, die nicht belehrt, sondern anrührt. So entsteht ein Werk, das sowohl unmittelbar zugänglich ist als auch in seiner Tiefe nie ganz zu ergründen bleibt.

? Dieses Bild ist weniger ein Objekt als vielmehr ein Spiegel. Es zeigt dir nicht, was du sehen sollst, es erinnert dich an das, was du längst weißt. Und genau darin liegt seine zeitlose Kraft.

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