
“Der Gockel vor der Hinrichtung zur Verwendung auf dem Grill”
“The rooster before execution for use on the grill.”
“El gallo antes de la ejecución para su uso en la parrilla.”
Graphit auf Zeichenpapier ca 18x15cm
„Der Gockel vor der Hinrichtung zur Verwendung auf dem Grill“ ist keine bloße Skizze, sondern ein verdichteter Augenblick zwischen Leben und Zweck.
Der Gockel steht nicht, er richtet sich auf. Die Linien sind Bewegung, sie steigen hinter ihm empor wie Rauch oder Seele. Noch ist nichts geschehen, und doch liegt alles in der Luft. Das Bild zeigt nicht die Tat, sondern das Davor, den Moment absoluter Spannung.
In der radikalen Reduktion auf Schwarz und Weiß entsteht Würde. Kein Pathos, kein Spektakel. Der Hals gestreckt, die Krone erhoben, fast majestätisch. Als wüsste er um sein Schicksal und nähme es an. Hier wird kein Objekt gezeigt, sondern ein Subjekt.
Gerade der nüchterne Titel entlarvt die Logik der Verwertung. „Zur Verwendung“, ein Leben als Funktion. Doch die kraftvolle, organische Linienführung widerspricht dieser Kälte. Sie verleiht dem Tier Präsenz, Individualität, Charakter. Was konsumiert werden soll, erscheint unantastbar.
Der kaum angedeutete Boden verstärkt die Fragilität des Moments. Ein schmaler Grat zwischen Sein und Verwertetwerden. Und im leeren Raum um ihn herum entsteht Stille, konzentriert, unausweichlich.
So wird der Gockel zur Metapher: für alles Lebendige, das wir funktionalisieren und das sich im entscheidenden Augenblick noch einmal aufrichtet.