
Kalenderblatt zum 21. März
“Frühlingsbeginn”
“Spring Awakening”
“Inicio de la primavera”
Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Es war die Zeit, in der die Welt noch den Atem anhielt.
Ein endloses Blau spannte sich über alles, nicht der Himmel, nicht das Meer, sondern etwas Dazwischen, ein Raum ohne Richtung, ohne Anfang, ohne Ende. In diesem Blau ruhte alles, was gewesen war, und alles, was noch nicht den Mut gefunden hatte, zu werden. Es war die Stille vor dem ersten Klang, die Tiefe vor dem ersten Licht.
Niemand wusste, wie lange diese Stille schon dauerte.
Doch tief in diesem scheinbar reglosen Feld begann etwas zu vibrieren. Zuerst kaum wahrnehmbar, wie ein Flüstern unter Wasser. Dann deutlicher. Ein kaum sichtbares Zittern, ein inneres Drängen. Als hätte das Blau selbst beschlossen, sich nicht länger nur auszudehnen, sondern sich zu erinnern.
Und dann geschah es.
Mitten aus der Tiefe erhob sich eine erste Spur, ein feiner roter Impuls, wie ein Herzschlag, der sich seinen Weg bahnte. Zart, fast schüchtern, und doch unaufhaltsam. Er wusste nichts von der Weite, die ihn umgab. Er wusste nur, dass Stillstand keine Option mehr war.
Kurz darauf folgte ein zweiter Impuls, stiller, klarer, von anderer Qualität. Ein goldener Aufstieg, wie ein Lichtfaden, der sich nicht gegen das Blau stellte, sondern es durchdrang. Er brachte keine Unruhe, sondern Ausrichtung. Keine Hitze, sondern Bewusstsein.
Das Blau begann zu reagieren.
Schichten verschoben sich. Strukturen brachen auf. Was eben noch Fläche war, wurde Bewegung. Was eben noch starr wirkte, begann zu atmen. Es war, als würde die Welt von innen her aufbrechen, nicht zerstört, sondern erinnert an ihre eigene Lebendigkeit.
Die beiden Linien, das pulsierende Rot und das leuchtende Gold, standen nun nicht mehr allein. Sie wurden zu Achsen, zu stillen Zeugen eines Wandels, der sich nicht aufhalten ließ. Sie erzählten von etwas, das jeder kannte und doch immer wieder vergaß: dass jeder Neubeginn leise beginnt. Unspektakulär. Fast unsichtbar.
Und doch unumkehrbar.
In den feinsten Schichten des Blaus begann es zu glitzern. Kein grelles Funkeln, sondern ein verborgenes Versprechen. Als hätte sich das Licht selbst entschieden, nicht länger zu warten, bis es gerufen wird. Es war einfach da.
Nicht als Antwort, sondern als Möglichkeit.
Und wer lange genug hinsah, konnte spüren, dass dieses Bild kein Bild war, sondern ein Zustand. Ein Moment, der sich nicht festhalten ließ, weil er sich ständig verwandelte. Ein Übergang, der weder Anfang noch Ende kannte.
Manche sagten später, es sei der Frühling gewesen.
Doch die, die wirklich hinsahen, wussten es besser.
Es war nicht der Frühling, der gekommen war.
Es war das Leben selbst, das sich erinnerte, dass es weitergehen will.