Dieses Bild ist ein gesellschaftliches Ereignis. Eine visuelle Ballnacht, die nicht erzählt, sondern verführt. Die Leinwand explodiert in Farben, als hätte sich die Nacht selbst in Pigmente verwandelt: sattes Violett, glühendes Rot, elektrisches Blau, schimmerndes Grün und goldene Lichtblitze überlagern sich, reiben sich, tanzen miteinander. Nichts ist ruhig, nichts ist beiläufig. Alles steht unter Spannung, wie kurz vor Mitternacht, wenn Masken noch sitzen, aber die Wahrheit bereits durchscheint.
Im Zentrum erhebt sich eine weiße, ornamentale Figur, durchzogen von Spiralen und Wirbeln, fast wie aus Erinnerung geschnitzt. Sie wirkt zugleich fragil und standhaft, wie ein Wesen zwischen Erscheinung und Auflösung. Ihr Kopf ist von goldenem Schlagmetall gekrönt, kein lauter Glanz, sondern ein leiser, sakraler Akzent. Hier steht kein Mensch, sondern eine Essenz, eine Präsenz, die mehr fühlt als zeigt. Sie ist der ruhende Pol in einem Taumel aus Bewegung.
Um sie herum schneiden transparente, pfeilartige Formen durch den Raum, wie Lichtkegel, wie Blickachsen, wie Entscheidungen. Sie verleihen dem Bild Richtung, ohne Eindeutigkeit. Nichts ist festgelegt, alles ist möglich. Die Nacht öffnet Optionen, sie zwingt nicht, sie lädt ein. Genau hier entfaltet der Einsatz von Acryl, Fotodruck, Glitter und Schlagmetall seine volle Wirkung: Material wird Bedeutung. Glanz ist hier kein Schmuck, sondern ein psychologisches Signal, Verführung, Versprechen, Gefahr.
Rechts schwebt eine dunkle Fliege, fast beiläufig, fast ironisch. Ein Symbol für Konvention, für Etikette, für das gesellschaftliche Spiel. Doch sie wirkt verloren im Farbenrausch, wie ein Relikt aus einer Ordnung, die in dieser Nacht keine Macht mehr hat. Die Regeln gelten nur noch, wenn man an sie glaubt.
„Ballnacht Frankenthal“ ist kein romantisches Festbild. Es ist eine psychologische Momentaufnahme: der Augenblick, in dem Identitäten flüssig werden, in dem Rollen verrutschen, in dem das Innere nach außen drängt. Dieses Werk spricht Menschen an, die wissen, dass wahre Eleganz nicht im Kostüm liegt, sondern im Mut, sich zu zeigen. Ein Bild für Räume, die Charakter haben und für Betrachter, die bereit sind, sich berühren zu lassen.